• Leben und leben lassen

Leben und leben lassen

16.09.2021 Albert Leiser

Je länger es dauert, umso stärker wird meine Befürchtung, dass sich viele eine Vollkaskomentalität zulegen könnten, bei welcher der Staat gewissermassen als Versicherung dient. Als Liberaler gewohnt, selber Verantwortung zu übernehmen, bereitet mir dies Sorgen.

War ich anfangs noch überzeugt, dass Covid wie einst SARS oder BSE ziemlich schnell vorbeigehen würde, fürchte ich jetzt nämlich, dass wir uns darauf einstellen müssen, länger mit der Pandemie zu leben - oder besser gesagt, mit immer neuen Varianten der Pandemie

Die Vorstellung, dass der Staat noch lange in der Rolle des Vormunds verharren könnte, ist mir ein Gräuel. Nicht, dass ich denke, die Verantwortlichen hätten alles falsch gemacht. Restriktionen waren unumgänglich und Hilfe zweifellos in vielen Fällen nötig. Ob in jedem Zeitpunkt der beste Entscheid getroffen wurde, bleibe dahingestellt. Wer garantieren kann, dass er die Lage besser unter Kontrolle gebracht hätte, werfe den ersten Stein. Auf Dauer kann es aber nicht Aufgabe des Staates sein, seine Bürger zu bevormunden. Auch nicht aus Sorge um deren Gesundheit. 

Jeder soll die Freiheit haben, sich frei zu entfalten und zu leben, wie er möchte, solange er allen anderen dieselbe Freiheit gewährt. Wer sich aber aus freien Stücken für etwas entscheidet, tut dies auf eigene Kosten und muss auch die Verantwortung für die Folgen übernehmen. Aufgabe des Staates ist es, dies durch sinnvolle Rahmenbedingungen zu ermöglichen und ein Sicherheitsnetz zu schaffen für Menschen, die sich nicht selber helfen können. Es ist hingegen nicht Aufgabe des Staates, soziale Hängematten zu unterhalten und schon gar nicht, zu bestimmen, wie seine Bürger zu leben haben. 

Genau dies scheint mir in der Stadt Zürich aber zu grassieren. Und zwar ganz unabhängig von der Pandemie. Ein besonders krasses Beispiel: die Wahl des Verkehrsmittels. Ob Citybike, Rennrad, BMX, Mountainbike, Lastenfahrrad oder Tandem alles ist ok, solange es kein Auto ist.