Eine vorausschauende Planung nimmt Rücksicht auf die Lebensdauer und den Zustand von Bauteilen und Komponenten. Neben der Qualität der verbauten Materialien und Geräte hat vor allem auch die tägliche Abnutzung einen starken Einfluss auf deren Lebensdauer. Kennen Sie die Lebensdauer einzelner Bauteile Ihres Gebäudes, können Sie Ihr Vorhaben umsichtiger planen. Eine Totalsanierung kann über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes betrachtet manchmal lohnender sein als ein reiner Ersatz einzelner Bauteile und Komponenten. Die Eingriffstiefe wird bestimmt durch die konkreten Bedürfnisse und Möglichkeiten der Eigentümer in ihrer Funktion als Bauherrschaft und der vorhandenen Bausubstanz des Gebäudes.
Unabhängig von der gewählten Projektorganisation sollte die Rolle als Bauherr mit ihren Aufgaben, der Verantwortung und der damit verbundenen zeitlichen Belastung als Entscheidungsträger, nicht unterschätzt werden. Die realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, Ressourcen und Kompetenzen hilft, früh zu erkennen, was in Eigenregie abgedeckt werden kann und wo externe Unterstützung benötigt wird oder Sinn macht.
Stolpersteine hin zur gedämmten Gebäudehülle
Meist bildet ein GEAK-Bericht die erste Grundlage zur Bestimmung möglicher Sanierungsmassnahmen. Der GEAK-Bericht ist aber als Kurzanalyse zu verstehen und nicht als ganzheitliches Sanierungskonzept. Wird eine Fassadendämmung vorgeschlagen, heisst dies noch nicht, dass die vorgeschlagene Isolation der Gebäudehülle auch tatsächlich so realisierbar ist. Vielerorts sprechen denkmalpflegerische Auflagen oder die Komplexität der bestehenden Fassadengestaltung eine andere Sprache als gewünscht oder vorgeschlagen.
Ebenso können komplizierte Anschlussprobleme zu teuren und trotzdem bauphysikalisch unsauberen Konstruktionsdetails führen. Bei solchen Objekten wird häufig vorschnell auf eine Innendämmung gesetzt. Wird diese jedoch nicht bauphysikalisch einwandfrei geplant, kann sie – vor allem in Kombination mit einem Fenstertausch – das Problem durch Kondenswasserbildung sogar noch verschärfen. Für Fassaden mit erhöhten Anforderungen betreffend Ästhetik (architektonischer Ausdruck, Verzierungen, Ornamente, Reliefs …) gibt es mittlerweile sehr dünne, dafür aber auch kostenintensive High-Tech-Isolationen wie beispielsweise Aerogel. Es empfiehlt sich auf jeden Fall für die Planung und Ausführung mit erfahrenen Fachkräften wie einem Architekten, einem Bauphysiker und bewährten Unternehmern zusammenzuarbeiten. Es gibt immer Lösungen, die, je nach Gewichtung, auch finanziell Sinn machen. Bei Umbauten und Sanierungen können bauphysikalisch optimale Anforderungen objektbedingt leider nicht immer der Lehre entsprechend umgesetzt werden, so dass sinnvolle Kompromisse getroffen werden müssen.
Aus rein finanziellen Überlegungen kann anstelle einer sehr komplizierten Fassadendämmung das Isolieren der Keller- und Estrichdecken wirtschaftlicher sein. Am wirtschaftlichsten ist eine Isolation der Fassade dann, wenn aufgrund maroder Bausubstanz eine Fassadensanierung ansteht und Baustelleninstallation und Baugerüst sowieso erforderlich sind. In der Gesamtrechnung relativieren sich dadurch die Kosten für die Dämmung und fallen so etwas weniger ins Gewicht.

